Zwangsräumungen Verhindern – Gelebte Solidarität

Wieder ein Erfolg! Unverrichteter Dinge zieht der Gerichtsvollzieher, begleitet von mehreren Polizisten, von dannen. Jubel unter den mehreren hundert Menschen, die friedlich aber bestimmt den Eingang der Wohnung blockiert hatten. Wieder konnte ein Akt der Gewalt verhindert werden, die Zwangsräumung zumindest aufgeschoben werden. Aktivistinnen und Aktivisten der spanischen Plataforma de Afectados por la Hipoteca, kurz PAH, sowie Nachbarinnen und Nachbarn, Freundinnen und Freunde sind gekommen um ihre Solidarität auszudrücken mit dem Betroffenen. Über 700 Mal schon ist es dem Bündnis gelungen, eine Zwangsräumung abzuwenden.  

Faule Hypothekenkredite hatten den Betroffenen in die Situation gebracht, als die Immobilienblase platzte, wie mehrere Hunderttausend weitere spanische Familien. Ihre Häuser und Wohnungen gingen an die Bank, auf den Schulden bleiben sie ein Leben lang sitzen. Ein privates Insolvenzrecht gibt es nicht. Übrig bleiben leere Wohnblöcke und viele wohnungslose und verarmte Familien.

Die vielen Erfolge der PAH erzeugen Solidarisierungseffekte und geben vielen weiteren sozialen Bewegungen Hoffnung und Auftrieb. Die Menschen beginnen zu merken, dass man eben doch etwas verändern kann. Und das dies oftmals auch gar nicht so schwer ist. In vielen Teilen Spaniens wird gar nicht mehr zwangsgeräumt.

Auch hierzulande beginnt der Widerstand gegen Zwangsräumungen: In Berlin, Hamburg und NRW bildeten sich Bündnisse, um diese Praxis zu bekämpfen. In der Bundesrepublik ist vor allem die Gentrifizierung, die Aufwertung ganzer Stadtteile und Verdrängung angestammter Mieterinnen und Mieter der Grund für schätzungsweise an die 70.000 Zwangsräumungen jährlich. Das Recht auf Wohnraum ist ein Menschenrecht, viel mehr ist es jedoch Spekulationsobjekt für Kapitalinteressen. Das Grundgesetz garantiert das Recht auf Unverletzlichkeit des eigenen Wohnraums – und  dennoch wird täglich dagegen verstoßen. Ob Luxussanierung, Immobilienspekulation oder Profitmaximierung: die Folgen spüren die, zufällig in einem betroffenen Viertel wohnen, die wehrlosen, die armen und ärmsten unserer Gesellschaft, sie werden mit Gewalt aus ihrem Lebensumfeld gerissen und oft in die Peripherie gedrängt.

Zwangsräumungen sind ein Akt extremer physischer und psychischer Gewalt. Oft erleiden die Betroffenen psychische Schäden und geraten in noch größere finanzielle Notlagen. Der Verlust des sozialen Nahraums, des angestammten Umfelds, manchmal auch von Freundinnen und Freunden und die Viktimisierung setzen den Betroffenen immens zu. Die erfahrene Gewalt, das Gefühl extremer Ohnmacht und Hilflosigkeit, zeichnet die Menschen oft nachhaltig. Wenn überhaupt, so sollte die Zwangsräumung das äußerste und letzte Mittel sein, wenn alle anderen Lösungsversuche gescheitert sind. Stattdessen wird es zum Mittel der Wahl, um vermeintliche Querulanten, Menschen mit privilegierten und zu günstigen Mietverträgen und ALGII-Empfänger*innen loszuwerden.

Dabei gibt es keine richtige Zwangsräumung. Eine Zwangsräumung bedeutet immer das Versagen aller Beteiligten, der ganzen Zivilgesellschaft gar, eine gerechte und friedliche Lösung zu finden. Oft wird dies nicht einmal mehr versucht. Wenn alle institutionellen Wege scheitern, Menschen vor Gerichten keine Gerechtigkeit erfahren, wenn sie darauf erst gar nicht hoffen brauchen, dann führt der einzige Weg, noch Druck auszuüben um die Grundrechte als Mensch und Bürger*in wahrzunehmen über den Widerstand durch zivilen Ungehorsam. Sei es das Entrollen von Bannern vor den Wohnsitzen von Politiker*innen und Vermieter*innen, Flugblattaktionen, Sitzblockaden oder Besetzungen: viele Menschen sehen, dass es nur die gelebte Solidarität untereinander ist, die vor dem Schicksal der Zwangsräumung bewahren kann.

Das relativ junge Bündnis in NRW versucht allen Betroffenen die uns kontaktieren, mit allen Mitteln und Wegen zu helfen, die Zwangsräumung abzuwenden. Nicht immer gelingt dies, oft scheitert es noch an der mangelnden Solidarität der Nachbarn, an Angst und Zweifeln, sowie daran, dass der Stellung des Privateigentums auch in den eigentumslosen Schichten eine viel größere Priorität eingeräumt wird. Dabei ist es eben dieses Recht von Investoren, Banken, Hedgefonds und Wohnungsbaugesellschaften, jeglichen Wohnraum aufzukaufen und ihrem eigenen Belieben nach zu verwenden und zu verändern,  welches  die von Zwangsräumung Betroffenen erst in diese Situation bringt. Die Interessen der Mieter*innen werden nicht berücksichtigt, das Schicksal der Betroffenen ist weder für die Institutionen noch für die Investoren von Belang.

Nur entschlossener und breiter Widerstand vermag vielleicht, die gesellschaftliche Situation noch zu verändern und den vielen Betroffenen zu helfen. Solidarisiert euch!

DieHäuserDenenDieDrinWohnen

— Dieser Artikel ist eine Vorab-Veröffentlichung unseres Beitrags in der dritten Ausgabe des Westfälischen Okkupierers, die bald erscheinen wird. —

Erster Erfolg: Zwangsräumung in Krefeld vorläufig ausgesetzt

Kurzfristig hat das Bündnis die Information erhalten, dass die geplante Zwangsräumung in Krefeld am kommenden Dienstag, 18. Juni, NICHT stattfinden wird. Man kann allerdings davon ausgehen, dass der Betroffene Michael P. zeitnah einen neuen Termin vom Gerichtsvollzieher erhält.

Offensichtlich konnte das Bündnis “Zwangsräumung Verhindern NRW” bereits einen solchen öffentlichen Druck erzeugen, dass die Verantwortlichen von ihrem ursprünglichen Plan abgerückt sind. Der Fall von Michael P. ist dank des Aufrufes in die Öffentlichkeit gerückt. Seinem Vermieter Dagobert Allhorn ist es wohl nicht mehr möglich, sich seines Mieters zu entledigen, ohne ein großes Maß an Aufmerksamkeit zu erregen.

Natürlich solidarisisert sich das Bündnis weiterhin mit Michael P. und allen von Zwangsräumung bedrohten und betroffenen Menschen. An der skandalösen Situation hat sich auch nach der vorläufigen Absage der Zwangsräumung nichts geändert. Sobald der neue Termin für die Räumung feststeht, werden wir erneut für eine friedliche Blockade mobilisieren! Es gilt weiterhin, Öffentlichkeit zu schaffen und die Verantwortlichen weiter unter Druck zu setzen.

“Denn Zwangsräumungen fallen nicht vom Himmel und sind auch nicht einfach ein Selbstverschulden der Betroffenen. Sie sind Ausdruck einer Gesellschaft, in der die Menschen über ihren Marktwert definiert werden. Sie sind Bestandteil eines kapitalistischen Systems von Zwängen, in dem der ökonomische Druck der Verhältnisse und deren politische und bürokratische Absicherung Hand in Hand gehen.”
(Quelle: Avanti – Projekt undogmatische Linke)

In NRW steht das Bündnis noch am Anfang, aber der ist mehr als vielversprechend! Zeigt weiterhin eure Solidarität, verbreitet die Informationen in eurem Umfeld und nehmt immer gerne Kontakt mit uns auf.

Das Bündnis “Zwangsräumung Verhindern NRW”

Hier findet ihr nochmal alle Hintergrundinfos zur Zwangsräumung in Krefeld >>>

Soli-Aktion von “Zwangsräumung verhindern” Berlin in der NRW-Vertretung >>>

Ehemalige Anwältin von Michael P. vernichtet alle Originaldokumente des Falls

Krefeld, 2. Juni 2013. Soeben erreichte uns die Meldung, dass die bisherige Anwältin des von Zwangsräumung bedrohten Michael P. alle Originaldokumente des Falls vernichtet hat, nachdem sie ihm lediglich in Kopie zugestellt wurden. Inzwischen hat Michael P. den Anwalt gewechselt, da die Anwältin bereits im Vorfeld durch fehlendes Engagement für ihren Mandanten und bloßem „Dienst nach Vorschrift“ aufgefallen war.

Das rechtswidrige Vorgehen der Anwältin kann nicht ohne Folgen bleiben, wurde hier doch gegen alle juristischen Regeln verstoßen, sollten sich alle Vorwürfe wie geschildert darstellen. Sie würde mit einem solchen Akt ihrem bisherigen Mandanten einen fairen Prozess so gut wie unmöglich gemacht haben.

Es ist zu vermuten, dass die Anwältin hier nicht auf eigene Verantwortung und nicht in Eigenregie gehandelt hat. Offensichtlich besteht großes Interesse daran, Einzelheiten zu diesem Fall vor der Öffentlichkeit zu verbergen. Das Bündnis ‘Zwangsräumung Verhindern NRW’ prüft ein weiteres Vorgehen. Sobald mehr Details zu dieser Ungeheuerlichkeit ans Licht kommen, werden wir sie hier veröffentlichen.

Wer mehr Informationen beisteuern kann oder in Sachen Zwangsräumungen ähnliche Erfahrungen macht oder gemacht hat, kann sich an nachfolgende Kontaktadressen wenden.

Hier noch einmal der Aufruf zur friedlichen Blockade der Zwangsräumung am 18. Juni, Treffpunkt 7 Uhr Krefeld Hbf.

E-Mail: ZwangsraeumungVerhindernNRW@hushmail.com
Webseitehttp://www.zrvnrw.wordpress.com 
Infoverteilerhttps://lists.riseup.net/www/subscribe/zrv-nrw
Facebookhttps://www.facebook.com/ZwangsraeumungVerhindernNrw
Twitter@WirKommeAlleNRW

Zwangsräumung in Krefeld: Aufruf zur Blockade

ACHTUNG: Zwangsräumung wurde vorläufig ausgesetzt.

Das Bündnis “Zwangsräumung Verhindern NRW” ruft zur friedlichen Blockade der Zwangsräumung von Michael P. aus Krefeld auf. Bitte kommt am 18. Juni um 7 Uhr nach Krefeld!

Zwangsräumung verhindern!
Menschenrechte schützen!
Solidarität zeigen!

Nach den ersten öffentlichkeitswirksamen und erfolgreichen Aktionen in Berlin ist der Widerstand gegen Zwangsräumungen in NRW angekommen: Michael P. aus Krefeld soll im Juni aus seiner Wohnung geräumt werden. Sein Vermieter Dagobert Allhorn, ehemaliger Polizeidirektor, terrorisiert seine Mieter*Innen bereits seit Jahren.

Zwangsräumungen verstoßen gegen die Menschenrechte. Sie sind eine Folge von steigenden Mieten und dem Trend zur Gentrifizierung, die “Aufwertung” bestimmter Stadtteile und die Verdrängung alteingesessener Bewohner.

Dieses Problem betrifft uns alle. Deswegen rufen wir dazu auf, sich mit Michael P. und anderen Betroffenen zu solidarisieren. Wir werden diese Zwangsräumung nicht unbehelligt stattfinden lassen!

Unsere gemeinsame Blockade am Dienstag, 18. Juni, soll die Räumung verhindern, Öffentlichkeit schaffen und die Verantwortlichen unter Druck setzen. Treffpunkt: Krefeld Hbf, 7 Uhr.

(Infos zur Anreise per Bahn und geeignete Zugverbindung aus Städten in NRW findet ihr hier.)

Zeigt eure Solidarität, beteiligt euch an den Aktionen und verbreitet die Informationen in eurem Umfeld! Nur wenn wir uns gegen­seitig unterstützen, haben wir eine Chance, unsere Rechte durchzusetzen.

Das Bündnis “Zwangsräumung Verhindern NRW”

Kontakt unter:

E-Mail: ZwangsraeumungVerhindernNRW@hushmail.com
Webseite: http://www.zrvnrw.wordpress.com
Infoverteilerhttps://lists.riseup.net/www/subscribe/zrv-nrw
Facebookhttps://www.facebook.com/ZwangsraeumungVerhindernNrw
Twitter: @WirKommeAlleNRW

Mobi-Aktion in Krefeld am 18. Mai 2013

Mit 15 Personen starteten wir am späten Nachmittag in der Alte Linner Straße in Richtung Hochstraße.

Unsere Plakat-Sandwiches gegen Zwangsräumungen.

Drei Leute trugen so genannte “Sandwiches”, Plakate auf Bauch und Rücken, auf denen wir zuvor Sprüche gegen Zwangsräumungen geschrieben hatten. Einige verteilten Flyer, machten Fotos, außerdem wurde über die Aktion auch live getwittert.

Wir starteten in der Alte Linner Straße.

Wir starteten in der Alte Linner Straße.

Da das Wetter mitspielte und sogar die Sonne rauskam, war die Hochstraße, die “Shoppingmeile” von Krefeld, sehr gut besucht und wir erregten einiges an Aufmerksamkeit.
Stop Zwangsräumungen in NRW

Stop Zwangsräumungen in NRW

Viele Passant*Innen sprachen uns an und waren sehr interessiert, als wir ihnen den Grund für unsere Aktion nannten. Natürlich gab es auch einige, die meinten, wir sollten lieber arbeiten gehen, aber diese Spielverderber*Innen gibt’s ja immer. Auf dem Neumarkt angekommen, einem Platz mit einigen Cafés und Ständen, hielten wir dann noch eine Kundgebung ab. Wir lasen zu zweit den Flyer vor.
Wir lesen unseren Flyer vor.

Wir lesen unseren Flyer vor.

Viele Gäste von den Cafés hörten uns aufmerksam zu. Einige Passant*Innen blieben auch stehen und immer wieder mussten wir Fragen beantworten. Innerhalb von knapp einer Stunde verteilten wir über 300 Flyer und wir wären mit Sicherheit auch noch mehr losgeworden. Alles in allem also eine sehr erfolgreiche erste Aktion…
Zwangsräumung Verhindern NRW

Zwangsräumung Verhindern NRW

Um auch die Nachbarschaft von Michael P. zu mobilisieren, werden ihm noch einmal 250 Flyer zugeschickt, die er selbst verteilen kann. Gerade diejenigen, die selbst unter dem Vermieter Dagobert Allhorn leiden, sind wohl am leichtesten zu Protest gegen ihn zu bewegen.

Unsere “Sandwiches” in Aktion.

Die Polizei beäugte uns misstrauisch, sprach uns aber nicht an.

Die Polizei beäugte uns misstrauisch, sprach uns aber nicht an.

Zwangsräumungen verstoßen gegen die Menschenrechte.